Romane & Thriller

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0 In Allgemein/ Bastei Lübbe/ Roman

Liane Moriarty: Truly Madly Guilty: Jede Familie hat ihre Geheimnisse

Was für ein spannender Titel, interessante Kurzbeschreibung und dann doch leider recht zähes Buch. Das trifft es für meinen Geschmack am besten, wenn man „Truly Madly Guilty“ von Liane Moriarty beschreiben möchte. Die Hauptpersonen sind Clementine und Erika. Freundinnen seit der Schulzeit, aber wie Stück für Stück klar wird, nicht ganz freiwillig. Erika kam aus einem armen, schwierigen Elternhaus und Clementines Mutter fand es wichtig, dass dieses arme Mädchen eine Freundin hat und „nötigte“ ihre Tochter so, sich anzufreunden. Erika wiederum sieht in Clementines Familie ihre Ersatzfamilie und ist auch im Erwachsenenalter noch sehr anhänglich. Eines Tages bittet sie  Clementine, ihre Eizellspenderin zu werden, da ihr Mann Oliver und sie keine Kinder bekommen können. Clementine ist völlig überrumpelt, ging sie doch bisher davon aus, das Erika nie Kinder haben möchte. Sie erbittet sich Bedenkzeit, doch schon wenig später erfolgt ein Ereignis, was alles umkrempelt.

Genau auf dieses Ereignis zielt der ganze Roman hin. Es wird immer wieder angedeutet, stückchenweise erzählt und man hält irgendwann nur noch durch, weil man endlich wissen will, was denn so schlimmes passiert ist. Was tatsächlich geschehen ist, verrate ich natürlich nicht, nur, dass ich damit tatsächlich nicht gerechnet habe. Das dieses Ereignis alle Beteiligten durcheinander bringt und die Haltung zur Eizellenspende verändert, ist nachvollziehbar. Allerdings war für mich dieses herauszögernde Erzählen bis zur Auflösung sehr anstrengend. Ich überflog manche Seiten nur noch. Die Spannung im Buch ist durchaus da, allerdings wird es leider auch langweilig, weil es so künstlich erzeugte Spannung ist. Die Geschichte selbst und Auflösung ist eine sehr gute Idee, weswegen ich den Roman schon für lesenswert halte, aber nicht 100prozentig empfehlen kann.

Danke an NetGalley für das Rezensionsexemplar.

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0 In Allgemein/ Frauenroman/ Roman

Lindsay Ashford: Das Flüstern des Mondfalters

Eine leichte Unterhaltung und damit ideal für den Urlaub ist Lindsay Ashfords „Das Flüstern des Mondfalters“. Erzähl wird die Geschichte der 19-jährigen Estelle Thompson. Sie wächst in Kalkutta Anfang des 20. Jahrhunderts auf und ist ein Mischlingskind. Sie fühlt sich weder der indischen noch der britischen Gesellschaft so richtig zugehörig. Allerdings träumt sie davon, Schauspielerin zu werden und in Hollywood groß herauszukommen. Dies ist als Mischling eher unmöglich. Kurzer Hand erfindet sie sich neu – ihr Künstlername wird Merle Oberon, ihre Lebensgeschichte passt sie so an, dass sie als Britin durchgeht. Fortan aber besteht ihre Angst immer, dass jemand ihre Vergangenheit herausbekommt. Dies macht sie erpressbar.

Lindsay Ashford erschafft in ihrem Roman einen guten Einblick in die Gesellschaft der 1930er Jahre in Indien,  Großbritannien und Hollywood. Man kann sich gut in Estelle hineinversetzen, die anfangs recht naiv (vor allem im Hinblick auf Männer) ist und die andererseits sehr darunter leidet, ihre Lebensgeschichte so verleugnen zu müssen. Auch die Brutalität des Filmgeschäftes und v.a. die Verhältnisse in Indien (Kastensystem) kommen sehr gut heraus. Als Leser fühlt man sich direkt nach Indien versetzt, da die Autorin es vermag, sehr bildlich zu schreiben. Ein klarer Pluspunkt.

Im Roman kommen zahlreiche historische Persönlichkeiten vor, die Estelle manchmal rein zufällig kennenlernt. Hier ist für meinen Bedarf leider die Fantasie mit der Autorin etwas zu sehr durchgegangen. Nichtsdestotrotz verbindet sie die fiktive Figur einer farbigen Schauspielerin perfekt mit historischen Ereignissen. Das Buch läßt sich recht flüssig und unterhaltsam lesen, ganz große Erwartungen sollte man allerdings nicht haben. Ich mochte es für „zwischendurch“ und vor allem der Schreibstil hat mich überzeugt.

Danke an  NetGalley für das Rezensionexemplar.

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0 In Allgemein/ HarperCollins/ Roman

Felicity Everett: Das Paar aus Haus Nr. 9

Ein Buch, indem eigentlich nicht viel passiert und trotzdem subtil eine Spannung erzeugt wird, ist „Das Paar aus Haus Nr. 9“ von Felicity Everett. Sarah lebt mit Ehemann Keith und ihren beiden Kindern in einer beschaulichen Reihenhaussiedlung. Es geschieht nicht viel in ihrem Leben, alles sehr geregelt und mit den Nachbarn versteht sie sich gut. Im Haus gegenüber ziehen eines Tages Gavin und Louise mit ihren Kindern ein. Sie nehmen große Umbauten vor, denn Gavin ist Künstler und benötigt ein Atelier. Mit seinem Beruf polarisiert er natürlich und die Nachbarn beäugen das Paar neugierig. Man nähert sich immer mehr an und sucht die Freundschaft zu diesem Paar, das so ganz anders zu sein scheint als die anderen eher spießigen Paare der Siedlung.

Stück für Stück wird Sarah von ihrer neuen Nachbarin Louise vereinamt. Und ja, auch ausgenutzt, was sie aber lange nicht realisiert. Der unvermeidliche Krach oder ein einschneidendes Ereignis liegt in der Luft, man lauert als Leser darauf. Das Drama nimmt seinen Lauf und über der doch eher recht ereignislosen Geschichte in etwas banaler Sprache liegt trotzdem eine seltsame Spannung. Man möchte wissen, was das Drama letztlich ist. Die Katastrophe am Ende ist dann leider eher unspektakulär, wenn auch nicht unbedingt erahnbar.

Ich habe das Buch ganz gern gelesen, trotz des nicht unbedingt anspruchsvollen Schreibstils und der eigentlich dahin gehenden Geschichte. Das liegt aber auch daran, dass ich so ein Nachbarbeobachter bin (so, nun ist es raus 🙂 ) Ich fand die Idee und Umsetzung des Romans okay, die Auflösung am Ende leider eher lahm. Ein nettes Buch für zwischendurch fürs nebenher lesen und für alle, die sich auch gerne fragen, was da so bei den Nachbarn abgeht.

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0 In Allgemein/ Frankfurter Verlagsanstalt/ Roman

Mareike Fallwinkel: Dunkelgrün fast schwarz.

Ein schönes Cover, ein schöner Titel und ein Hype in den Sozialen Medien – schon war es geschehen und ich musste dieses Buch haben. Aber wie das gerade bei so gelobten Büchern ist, man hat eine große Erwartungshaltung und hofft darauf, dass es einem so gefällt, dass man es nicht mehr aus der Hand legt. Mareike Fallwinkels „Dunkelgrün fast schwarz“ hat mich ab der Mitte des Buches tatsächlich gefangen genommen und ich bin nur so durch die Seiten gerauscht. Hereinzukommen in die Geschichte war dafür etwas schwerer. Ich hatte mir nicht angesehen, um was es eigentlich geht (was für ein blindes Vertrauen!) und es ist ja eigentlich nicht mein Genre. Weswegen ich anfangs eben immer auf die große Story wartete, bis ich merkte, dass es hier tatsächlich „nur“ um einer Freundschaft zwischen 2 Jungs – Raffael und Moritz – geht, die im zarten Kindergartenalter entsteht. Mit der neuen Mitschülerin Johanna wird später eine Dreiecksgeschichte entstehen, die die Freundschaft auf eine harte Probe stellt.

Die Geschichte wird aus Sicht von Moritz, Johanna und der Mutter von Moritz erzählt. Man erfährt, was diese Personen denken und fühlen und kann sich deren Handlungen erklären. Raffael und seine Mutter werden hingegen nur von außen, also den anderen beschrieben. Es bleibt so sehr viel Spekulationsspielraum, warum Raffael so ist wie er ist. Denn man ahnt es schon: er ist irgendwie der Fiese in der Runde und die Sympathien fliegen eindeutig zu Moritz. Ich fand es etwas schade, nicht auch Raffaels Innenleben kennenzulernen, denn er ist in der Tat eine wahnsinnig interessante Figur. Die Ereignisse werden rückblickend, nicht immer chronologisch, geschildert und Schritt für Schritt steigt die Spannung, denn man erwartet den großen Showdown und man erfährt nebenbei immer mehr Geheimnisse.

Was an diesem Buch wirklich bemerkenswert ist und es den Hype verdient, ist die Sprache. Es sitzt jeder Satz. Mareike Fallwinkel hat eine Schreibweise, die eine Sogwirkung erzielt. Man kann sich ihr nicht entziehen, man möchte jeden Satz genießen und freut sich gleichzeitig auf den nächsten. Durch die Perspektivenwechsel und kurze Kapitel liest sich das Buch spannend, durch die Sprache ist es ein Genuß. Es ist nicht zu Unrecht so ein gehyptes Buch. Hier ist ein wahres Literaturhighlight!

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0 In Allgemein/ Diana Verlag/ Kriminalroman/ Roman

Petra Hammesfahr: Als Luca verschwand

Die Story von Petra Hammesfahrs neuem Buch „Als Luca verschwand“ klingt zunächst wie ein wahr gewordener Albtraum für jede Mutter: Luca wird aus dem Kinderwagen vor der Drogerie während eines kurzen Einkaufs entführt. Die Mutter hatte das schlafende Kind draußen abgestellt, da es ihr im Winter immer zu überhitzt im Geschäft ist. Sie tut dies aber tatsächlich zum ersten Mal und genau dann wird der Kleine entführt. Dies wirft natürlich sofort Fragen auf. Die Ermittlungen starten und es werden allerhand Zeugen befragt bzw. gesucht. Dies nimmt einen großen Teil des Buches ein. Zudem ist der eigentlich verantwortliche Polizist mit der Familie des Kindes befreundet und darf offiziell nicht ermitteln. Tut dies aber trotzdem (welche Überraschung).

Petra Hammesfahr verbaut neben der Entführung noch einige andere Themen wie Online-Dating, das Erschleichen einer Erbschaft bzw. nachhelfen, damit es etwas zu erben gibt, Eheschließung nur aufgrund des Wunsches nach finanzieller Sicherheit und Altersarmut. Also ein ganzer Blumenstrauß an Themen, die letztlich zwar verschiedene Spuren dem Leser geben, aber nicht wirklich zum Ziel führen.

Das Buch hatte leider seine Längen. Es passiert viele Seiten irgendwie nichts. Die ermittelnden Polizisten werden abwechselnd als dumm und andere als besonders mitdenkend hingestellt. Klischees, wie das die ermittelnde Frau von den anderen Polizisten nicht wirklich ernst genommen wird, werden auch noch bedient. Aus der Geschichte selbst hätte man irgendwie mehr machen können. Das ganze Buch ist überfrachtet mit Randthemen, die am Ende überhaupt nicht für den Fall entscheidend sind. Sie führen den Leser aber auch nicht wirklich auf falsche Spuren, da allem irgendwie der Tiefgang fehlt bzw. die Auflösung immer recht schnell kommt.

Ich habe es trotzdem in wenigen Tagen gelesen, eben weil man die Auflösung haben möchte und lange nicht der wahre Grund der Entführung klar wird.Begeistern konnte das Buch mich aber leider nicht.

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0 In Allgemein/ Bastei Lübbe/ Roman/ Thriller

Saskia Sarginson: The Stranger – Wer bist du wirklich?

Der Klassiker: Ellies Ehemann kommt bei einem Verkehrsunfall ums Leben und sie als hinterbliebene Egefrau findet auf einmal Unstimmigkeiten und Geheimnisse heraus, die ihren Ehemann in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen. „The Stranger – Wer bist du wirklich?“ von Saskia Sarginson beginnt mit diesem Unfall und Ellie ist zunächst tief getroffen. Allerdings wundert sie sich auch, warum er betrunken Auto gefahren ist und woher er zu dieser Zeit kam. Sie fängt an, sein Arbeitszimmer und andere Schränke genauer unter die Lupe zu nehmen und findet recht schnell Hinweise auf einee Affäre. Dies macht sie so wütend, dass die Trauer schlagartig vorbei zu sein scheint.

Sie stürzt sich in neue Beziehungen, ohne großes Kennenlernen. Ihr Verlieben geht recht fix von statten, Misstrauen ist – auch nach dem vermeintlichen Betrug ihres toten Ehemanns – bei ihr eher selten. Dies hat mich in der Tat sehr irritiert. Man möchte ja meinen, dass sie erstmal genug von Männern hat oder wenigstens vorsichtig ist. Aber nein, sie stürzt sich in eine Beziehung zum wohlhabenden Nachbarn, der als Gutsbesitzer aber so einige Geheimnisse zu haben hat. Der Leser ahnt hier schon eher, dass man Ellie mal wach rütteln sollte…

Tja, ein eigentlich interessante Geschichte, die aber nicht viel mit einem Thriller zu tun hat. Das Ganze ist eher eine Liebesgeschichte mit ein paar spannenden Elementen. Es dümpelt an manchen Stellen so vor sich hin und das große Geheimnis des Gutsbesitzers ist eigentlich ein recht gutes, brisantes Thema, wird aber unnötig schnell zum Showdown geführt.Vor allem Ellie blieb mir zudem komplett unsympathisch. Ich konnte ihrer Handlungsweise nichts abgewinnen. Sie versucht immer, Licht ins Dunkel zubringen und bricht aber ihre Suche jedes Mal nach dem ersten Hinweis ab. Sie durchsucht gefühlt 100x das Arbeitszimmer ihres toten Mannes, statt es einmal richtig zu durchsuchen. Man möchte Ellie so manches mal wach rütteln 😉

Ein mäßig spannender Roman, aber leider nicht wie angekündigt ein Thriller. Kann man lesen, muss man aber irgendwie auch nicht.

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0 In Allgemein/ Erzählung/ Fischer KJB/ Roman

Laetitia Colombani: Der Zopf

Ein kleines Büchlein das drei Lebensgeschichten von Frauen aus unterschiedlichen Lebenssituationen beleuchtet, ist „Der Zopf“ von Laetitia Colombani. Die drei Frauen leben in verschiedenen Ländern: Indien, Kanada und Italien. Im Laufe des Buches haben alle drei eine Verbindung zu Haaren und mit viel Fantasie gibt es eine Schnittstelle zwischen den Dreien. Colombani beschreibt eine begrenzte Zeit von den jeweiligen Frauen und vermag dabei den Leser in den Bann ziehen.

Wie fast zu erwarten, beschäftigt einen die Lebensgeschichte und Umstände des Lebens bei den 3 Frauen mit unterschiedlicher Intensität. Die indische Frau Smita ist Mitglied der untersten Kaste und sieht aus dieser kein Entrinnen. Aber ihre Tochter soll es besser haben und das beginnt damit, dass sie Lesen und Schreiben lernen soll. Die italienische Frau Giulia muss nach einem Unfall ihres Vaters dessen Fabrik übernehmen und stellt fest, dass die Perückenfabrik in ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Die dritte im Bunde ist die kanadische Karrierefrau Sarah, die Partnerin in einer Anwaltskanzlei ist und an Krebs erkrankt.

Durch die einfache Sprache und die klassischen kleinen Cliffhanger am jeweiligen Kapitelende kann man den Roman recht schnell und flüssig lesen. Die drei Frauen unterscheiden sich stark durch ihre Herkunft und Alter, trotzdem verbindet sie alle Stärke und Mut zur Verbesserung ihrer Lebenssitutaion. Es werden viele ernste Themen mit feministischen Hintergrund angesprochen. Besonders bewegend war für mich dabei die Situation der Inderin, die aus dem Kastensystem nicht entkommen kann und die Beschreibung der alltäglichen Vergewaltigungen. Einige kleinere Klischees wie über italienische Männer oder Karrierefrauen mischen sich in die Geschichte, sind aber im Großen und Ganzen verschmerzbar.

Im ganzen Buch stehen die Frauen im Mittelpunkt und deren Geschichte wird abwechselnd erzählt. Es gibt nicht den üblichen Liebeskitsch, nur bei Giulia gibt es hier eine Randgeschichte. Die Gesellschaftskritik, sei es am Kastensystem, der rücksichtslosen Arbeitswelt oder dem Nicht-Zu-Trauen, dass Frauen eine Firma erfolgreich führen können, kommt ohne erhobenen Zeigefinger aus. Alles wird harmonisch in den Roman gefügt und verbindet sich schließlich zu einem Ganzen. Für mich war neben der indischen Geschichte, die kanadische am „nächsten“, da ich selbst länger in so einer Arbeitssituation war. Die italienische Erzählung von Giulia war für mich etwas mau.

Alles in allem aber ein ganz bezauberndes, bewegendes und absolut empfehlenswertes Büchlein!

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0 In Allgemein/ Goldmann Verlag/ Kriminalroman

Elisabeth Herrmann: Das Dorf der Mörder

„Das Dorf der Mörder“ war mein zweites Buch von Elisabeth Herrmann. Mir gefallen ihre Kriminalromane ganz gut, weil sie solide sind, realistisch und eine schön zu lesenden Schreibstil haben. Hier in diesem Buch steht die junge Streifenpolizistin Sanela Baera im Mittelpunkt. Sie ist von der Marke „Ich nerve all meine Mitmenschen“. Das wurde sehr gut rüber gebracht, denn sie nervte selbst mich als Leser. Ihren Gegenpart übernimmt KHK Gehring, der selbstverliebte, arrogante Vorgesetzte.

Zunächst beginnt alles recht spektakulär aber auch eindeutig: im Berliner Tierpark geschieht ein unfassbarer Mord. Die Schuldige wird recht schnell „bestimmt“. Die Angestellte des Tierparks Charlie Rubin. Einzig Sanela Baera glaubt dem offensichtlichem nicht und vermutet eine größere Geschichte dahinter. Bevor aber Charlie Rubin richtig verhört werden kann, bringt diese sich um. Dies nimmt auch der behandelnde Psychologe Jeremy Saaler zum Anlass, am Tathergang zu zweifeln. Sowohl er als auch Sanela beginnen, in der Kindheit von Charlie Rubin zu wühlen. Was zunächst als Gefühl und Instinkt heraus geschieht, erweist sich als richtige Spur. Immer mehr Ungereimtheiten tauchen auf und Stück für Stück wird das Grauen in einem kleinen verlassenen brandenburgischen Dorf aufgedeckt.

Ab Mitte des Buches wird es richtig spannend, da man auch als Leser so langsam durchschaut, dass hier viel mehr hinter dem Mord aus dem Tierpark steckt. Stück für Stück kommt man der Lösung näher und wenn man die Hinweise aufmerksam liest, ist man den Handelnden auch ein bisschen voraus. So macht das Miträtseln Spaß! Alles steuert auf ein Finale und Auflösung im Dorf zu. Dieses Finale enthält alles, was man von einem Kriminalroman erwartet. Die komplette Geschichte ist viel größer als zunächst angenommen und das macht dieses Buch so lesenswert. Mir hat der Plot gut gefallen und die Auflösung am Ende war richtig spannend inszeniert. Ein Lesevergnügen!

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0 In Allgemein/ btb/ Roman

Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers

Nach den Bienen beschäftigt sich Maja Lundes neues Buch mit dem Wasser. Während „Die Geschichte der Bienen“ vor dem Bienensterben und seinen Folgen warnt, ist im neuen Roman „Die Geschichte des Wassers“ die Wasserknappheit und die Eisschmelze das Thema. Nachdem ich vom Bienenbuch so begeistert war, war die Erwartung an den Nachfolger und wie mittlerweile bekannt gegeben wurde dem zweiten von vier Teilen entsprechend hoch. In meinen Augen kommt das neue Wasserbuch nicht ganz an die Perfektion vom Bienenbuch heran, aber es ist trotzdem auf jeden Fall ein Lesen wert 😉

Nach dem bekannten Muster läßt Maja Lunde verschiedene Personen abwechselnd erzählen. Dieses Mal sind es nur zwei: die alternde Norwegerin Signe und der junge Vater David. Signe übernimmt die Gegenwart. Sie erzählt von ihren Erlebnissen am norwegischen Fjord, wo immer mehr Touristen die Landschaft zerstören. Als sie nach vielen Jahren wieder in ihren Heimatort zu Besuch kommt, stellt sie fest, dass ihr Jugendfreund als guter Geschäftsmann tätigt ist und mittlerweile das Eis aus den Bergen abtragen lässt, damit es als besondere Eiswürfel weiterverkauft wird. Sie erzählt rückblickend aus ihrer Kindheit, wo die ersten Naturzerstörungen begannen und sie macht sich auf die Reise zu ihrem Jugendfreund nach Frankreich, um ihn aufzurütteln und zu warnen, die Natur nicht weiter für seinen Profit zu zerstören.

David lebt im Jahr 2041 im Süden Frankreichs. Hier herrscht mittlerweile so eine Wasserknappheit, dass er mit seiner Frau und den beiden Kindern vor einem der zahlreichen Feuer aus seinem Heimatort fliehen muss. Dabei verliert sich die Familie aus den Augen und er steht mit seiner Tochter Lou allein da. Er flieht in eines der Flüchtlingslager. Auf einem Ausflug aus selbigen entdecken die beiden ein Boot, welches auf dem Trockenen liegt und beginnen, eine Fantasiereise.

Maja Lunde versteht es einmal mehr, vor allem die Zukunftsvision spannend und aufrüttelnd zu beschreiben. Mir hat wie auch schon bei den Bienen, diese Geschichte am besten gefallen. Man bekommt aber gleichzeitig Angst vor der eigenen Zukunft und überdenkt sein eigenes Handeln. Also Ziel erreicht, würde ich sagen. Mit Signe bin ich nicht ganz so warm geworden, aber um so mehr fand ich die Beschreibung der Gegenwart von Norwegen interessant. Ich werde tatsächlich bald nach Norwegen reisen und bin gespannt  einer der zahlreichen Touristen zu sein…

Der Schreibstil ist wie gewohnt angenehm und ausreichend spannend. Man liest das Buch recht schnell weg, aber immer in der Erwartung eines großen Ereignisses. Die Verbindung zwischen den beiden Geschichten war mir recht früh klar und nahm mir die Spannung etwas. Ich blieb ein wenig mit dem offenen Ende sitzen – mir fehlt an diesem Roman irgendwie etwas. Es ist ein gut gemachter Roman, sehr aufrüttelnd, aber kann leider nicht mit dem ersten Band mithalten. Leseempfehlung so na ja.

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0 In Allgemein/ Bastei Lübbe/ Kriminalroman

Romy Fölck: Totenweg

Eine kurze Zeit lang kam man um Romy Fölck und ihr Buch „Totenweg“ nicht herum. Hier hat der Verlag eine riesige Werbemaßnahme laufen lassen, in Zeitschriften fand man Empfehlungen und auf der Leipziger Buchmesse war die Autorin die ganze Zeit anwesend. Viel Aufwand für einen Kriminalroman. Klar, dass ich mich gefragt habe, ob es wirklich so ein besonderes Romandebüt ist und es mich von den Socken hauen wird. Eines kann ich verraten: es ist gut, aber so besonders, wie man nach all der Werbung erwarten würde, nicht.

Totenweg ist der Auftakt einer Reihe von Deichkrimis. Der Schauplatz in der Elbmarsch ist gut gewählt und beschrieben, man hat im ganzen Buch das Gefühl, dort zu sein und ich persönlich mag Schauplätze wie diese. Zwei Hauptfiguren bilden die Grundlage für die Kriminalromanreihe: Frida Paulsen, eine junge Polizistin und Studentin an der Polizeiakademie und dem gegenüber der alte Haudegen Kriminalhauptkommisar Bjarne Haverkorn, dem seine alten ungelösten Fälle keine Ruhe lassen. Genau aus so einem alten Fall kennen die beiden sich: Als 13-jährige war Frida Paulsen Zeugin am Mord an ihrer besten Freundin und Bjarne Haverkorn der Ermittler, der sie verhörte.

18 Jahre später geschieht erneut ein Verbrechen in dem Dorf und Frida kehrt auf den Apfelhof ihrer Eltern zurück. Ihr Vater wird niedergeschlagen und liegt im Koma, sie muss ihrer Mutter beim Führen des Hofes helfen und bekommt Einblicke in die Probleme der Bewirtschaftung des Hofes, die ihr vorher so nicht bewußt waren. In dieser Situation trifft sie wieder auf Bjarne Haverkorn, der in diesem Fall (und weiteren Morden) ermittelt.

Anfangs wird das Verhältnis beider von dem damaligen Ereignis sehr geprägt. Frida ist wieder das kleine Mädchen, das nicht über das Beobachte sprechen will und Bjarne für sie „der böse Polizist“. Erst im Laufe des Buches raufen sich die beiden zusammen und teilen ihre Ermittlungsergebnisse.

Den Roman habe ich sehr schnell gelesen, da die Spannung sehr gut aufgebaut ist. Es gelingt Romy Fölck, den Leser auf erfolgreich auf falsche Spuren zu schicken. Ich war sehr lange von einem ganz anderen Schuldigen überzeugt und wollte immer Frida Paulsen wachrütteln 😉 Das Lokalkolorit ist sehr gut beschrieben, man fühlt sich direkt auf die Apfelhöfe versetzt. Die vorherrschende Stimmung ist zwar düster, aber so darf das in einem Kriminalroman sein. Es gibt eine Reihe von Wendungen und Überraschungen, die einem als Leser immer am Ball halten. Der alte Fall und die Verbindung zum neuen wird gut aufgelöst, allerdings fand ich die komplette Auflösung am Ende etwas verschenkt. Hier hätte der Showdown etwas ausführlicher und direkter sein können. Das Buch ist recht gehypt worden, sicherlich nicht zu Unrecht, man darf aber nichts anderes als einen spannenden Deichkrimi erwarten. Lesenswert auf jeden Fall mit ganz kleinen Schwächen. Ich freue mich auf weitere Romane mit den beiden Hauptfiguren.

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