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Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

Maja Lundes Roman „Die Geschichte der Bienen“ ist ein oft rezensiertes, hoch gelobtes Buch und mittlerweile auch fast ganz oben auf den Bestsellerlisten – und das zu Recht! Ich bin immer noch begeistert von diesem Buch. Maja Lunde versteht es außerordentlich gut, das hochaktuelle Thema des Bienensterbens in einen Roman zu verpacken. Es gibt nicht den erhobenen Zeigefinger aber dennoch bewegt einen dieses Buch so sehr, dass man noch einmal mehr sein eigenes Verhalten überdenkt.

Schon im letzten Jahr gab es auf meinem kleinen Balkon einen Blumenkasten extra mit Bienenblumen. Gezüchtet aus einer Samenmischung sah das ganze eher nach Kraut und Rüben als unbedingt schön aus, aber die Bienen kamen. Dieses Jahr wird es das also wieder geben und ganz klar, schon seit Jahren werden Bienen, die in ein Getränk gefallen sind oder sich in die Wohnung verirrt haben, nicht getötet, sondern gerettet und „hinaus begleitet“. Aber ich schweife ab – zurück zum Roman.

Maja Lunde beschreibt Ausschnitte aus drei verschiedenen Familienleben. Diese sind in unterschiedlichen Jahrhunderten, haben aber eine Verbindung: die Bienen. Da gibt es William, der Biologe in England 1852. Durch eine Sinnkrise verlässt er wochenlang nicht sein Bett und fühlt sich gescheitert. Er versucht immer wieder die Anerkennung seines Mentors Rahm zu erlangen, aber dieser wendet sich von ihm ab. Rahm habe ich als ganz fiesen Figur empfunden und regelrecht mit William gefiebert, ob es ihm gelingt, doch noch ihn zu beeindrucken. William selbst legt – wie zu dieser Zeit üblich – alle Hoffnung auf seinen Sohn. Seine sieben Töchter empfindet er als anstrengend und nervenraubend. Doch Charlotte gibt den Vater nicht auf und sie unterstützt ihn bei seiner Idee, einen neuartigen Bienenstock zu bauen.

In den USA im Jahr 2007 spielt die zweite Geschichte. Imker George hat einen Hof und viele Bienenstöcke. Er möchte seinen Hof erweitern und schließlich seinem Sohn Tom vererben. Der hat aber ganz andere Pläne und enttäuscht damit seinen Vater, der die Familientradition fortsetzen möchte. Eines Tages erlebt George das Unfassbare: seine Bienen verschwinden, die Bienenstöcke sind leer, seine Existenz ist bedroht…

China, im Jahre 2098, bestäubt Tao zusammen mit ihrem Mann per Hand die Blumenblüten. Bienen gibt es nicht mehr, um die Natur am Leben zu halten, übernehmen Menschen in mühevoller Handarbeit unter schwersten Bedingungen die Bestäubung von Apfelbäumen. Tao träumt von einem besseren Leben, v.a. für ihren Sohn Wei-Wen. Als dieser eines Tages einen Unfall hat und nach Peking gebracht wird, wird sie rasend (zu Recht, wie ich finde). Sie macht sich auf die Suche nach ihrem Sohn und landet in einem fast ausgestorbenen Peking mit grausigen Zuständen.

Alle 3 Geschichten werden abwechselnd erzählt aus der Sicht der jeweiligen Hauptpersonen. Jedes Kapitel trägt immer den Namen des aktuell handelnden, so dass man immer weiß, in welcher Geschichte/Jahr man gerade steckt. Alle drei haben etwas mit Bienen zu tun und nach und nach wird auch eine Verbindung zwischen den Familien sichtbar. Für mich am spannensten und gruseligsten war die Geschichte von Tao. Wie sie durch ein verlassenes Peking irrt, lässt einem Schauer über den Rücken jagen. Auch die Vorstellung, dass die Bienen ausgerottet sind und alles per Hand bestäubt wird, lässt ein Schaudern. Zumal es nicht so unrealistisch ist, wie man es gerne hätte.

Williams Geschichte war für mich irgendwie tragisch-komisch. Gerade die vielköpfige Familie und sein verzweifeltes Bemühen seinem Mentor gerecht zu werden, ließ mich manches mal schmunzeln. Während die Geschichte von George mich eher langweilte. Das man wirklich noch davon ausgeht, dass der Sohn selbstverständlich den Hof übernimmt und quasi todbeleidigt ist, wenn es nicht so ist, fand ich zu vorhersehbar und ich bin mit George irgendwie nicht wirklich warm geworden.

Maja Lunde vermag es, das aktuelle Thema und Fakten zum Bienenleben sowie Bienensterben in ihrere Geschichte unterzubringen, ohne ermahnend zu klingen. Nichtsdestotrotz tut dieses Buch genau das: es warnt davor, weiter Pestizide zu verwenden, Monokulturen anzubauen etc. Sie vermag es, dass der Leser sich Gedanken um die Zukunft der Welt und die Zukunft, die wir unseren Kindern hinterlassen zu machen. Dieser Roman hängt einem lange nach, man vergisst ihn nicht so schnell. Die Schreibweise ist flüssig, die Gliederung und der Wechsel der Geschichten immer passend. Die einzelnen Lebensgeschichten sind fesselnd und wunderbar geschrieben. Es ist so ein Buch, bei dem man sich wünscht, es endet nie. Ich habe das Lesen genossen und kann es euch nur ganz, ganz doll empfehlen!

 

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