0 In Rowohlt Verlag/ Sachbuch

Marie Kondo: Magic Cleaning – das perfekte Zuhause?

Ab und zu verirre ich mich in die Ratgeberabteilung der Buchhandlung und bleibe bei Büchern über Entrümplung, Ordnung, Aufräumen hängen. Dabei wanderte vor Jahren das Buch „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston zu mir nach Hause. Fleißig habe ich dann ganz nach Feng Shui bestimmte Ecken freigeräumt. V.a. die für dein Reichtum. Hmm, nach Jahren kann ich sagen, hat nicht so recht geholfen, schlechter geworden ist es aber nicht. Gut an diesem Buch fand ich auf alle Fälle die Hilfe beim Entrümpeln von emotional behafteten Gegenständen. Wer kennt es nicht, das lieb gemeinte Geschenk der Oma, was so gar nicht zum Einrichtungsstil passt und irgendwie stört. Die Theorie von Kingston ist, dass jedes Mal, wenn man an so einem ungewollten Gegenstand vorbeiläuft, dies negative Energie an einen abgeben würde. Sie rät daher zum Entsorgen. Dabei werden aber auch Möglichkeiten wie weiter verschenken und ebay erlaubt.

Dies bringt mich zu dem Buch, über das ich eigentlich schreiben wollte: „Magic Cleaning. Wie richtige Aufräumen Ihr Leben verändert“ von Marie Kondo. Sie ist nämlich für radikal wegschmeißen. Ein für mich großer Schwachpunkt an ihrer Aufräummethode. Marie Kondos Buch ist ein Bestseller aus Japan und ich kann mir auch gut vorstellen, dass einige ihrer Vorschläge dort gut funktionieren.

Grundsätzlich wird erst mal nach Kategorien ausgemistet. Von dem wenig emotionalen zum hochemotionalen. Sprich: von der Kleidung über Bücher bis am Ende zu persönlichen Geschenken und Fotos. Dies macht für mich durchaus Sinn, weil man sich langsam herantastet und wer einmal im Aufräumwahn ist, kann sich dann gegen Ende auch leichter entscheiden. Auch die Herangehensweise alle Dinge derselben Kategorie an einem Ort zu vereinen und dann zu sortieren, ist sinnvoll, da es einen guten Überblick bringt und tatsächlich auch manche Doppelungen zu Tage bringt.
Nun kommt aber der Haken – nach welchem Kriterium soll man nun aussortieren? Marie Kondos Methode sieht tatsächlich vor, dass man jeden Gegenstand in die Hand nehmen soll und in sich horchen soll, was er einem bedeutet. Bedeutet er nichts, bringt er kein Gefühl, dann weg damit. Puh…mag sein, dass Japanerinnen darauf anspringen – mir war es definitiv zu esoterisch. Die Ausführungen dazu konnte ich nur kopfschüttelnd lesen. Und ja, mein Hosenanzug für Bewerbungen z. Bsp. hätte sofort in den Müll gemußt…dass das etwas unpraktisch wäre, versteht sich.

Auch die Radikalität bei Unterlagen/Papieren wie Kontoauszügen, Versicherungen, Garantiescheinen erscheint mir etwas zu gewagt für deutsche Verhältnisse. Sie läßt ihre Kunden hier auch so ziemlich alles wegschmeißen. Ihr Rat bezüglich Bedienungsanleitungen lautet: weg damit. Wenn man dann nicht mehr weiß, wie es geht, einfach in den Laden, das Personal fragen oder die Firma. Jawohl, als Kundendienstmanagerin, die ständig die Kosten niedrig halten muß, sind mir das echt die liebsten Ratschläge. Kunde hilf dir ja nicht selbst, indem du die Anleitung liest, nein, belege die Angestellten. Das dies bei älteren Geräten und bei weniger guten Fachkräften ebenfalls nach hinten losgehen kann, ist klar. Ich verstehe hier nur die Argumentation dahingehend, dass man vieles tatsächlich im Internet findet und nachlesen kann. Aber die ein oder andere Bedienungsanleitung durfte bei mir trotzdem bleiben.

Einen der wenigen Ratschläge, die ich übernommen habe, ist meine Posteingangskiste. Bislang flogen die unbearbeiteten Briefe, Kontoauszüge etc. bis zum Abheften auch eher auf dem Sofa oder Tisch herum. Nun gibt es einen schicken Karton in der Schrankwand, in der alles landet und dann bei Bedarf (es quillt über) sortiert und abgeheftet wird. Seitdem sieht es tatsächlich ordentlicher auf dem Sofa aus. Dies ist ja das Ziel und Anliegen von Marie Kondo – das die Ordnung einmal geschaffen ist und dann beibehalten wird. Das praktisch gar keine Riesenaufräumaktionen mehr nötig sind.

Ich fürchte, dass wird mir auch nach der Lektüre ihres Buches nicht so ganz gelingen.

Ein grandioses Beispiel noch für den esoterischen Ansatz der Methode ist die Sockenschublade. Man darf die Socken nämlich nicht einrollen – sie können sich sonst nicht entfalten und atmen. Oh ja…das Argument, dass sie gefaltet hübscher aussehen und einen schnelleren Überblick bieten, hat mich dann eher überzeugt, es zu versuchen und ich bin tatsächlich begeistert. Sieht doch netter aus als wilde Kullern:
Insgesamt würde ich Marie Kondos Buch aber nicht empfehlen. Es fehlen die wirklich neuen Tipps und die Ausflüge in die Esoterik sind wirklich Geschmackssache.
Teile diesen Beitrag!

Das könnte dich auch interessieren